Das tägliche Ringen um Integration

Aufgeregte Diskussionen gibt es derzeit um Menschen, die einwandern. Dabei ist vor allem die Aufenthaltserlaubnis das Thema. Weniger bekannt sind die Abläufe, die man durchwandern muss, wenn man bleiben darf. Die Migrationsberatung des Landshuter Netzwerks hilft den Menschen in diesem Alltag zurecht zu kommen. Die Ratsuchenden geben sich bei Beraterin Tatjana Fischer die Klinke in die Hand.

MbE

An diesem Dienstagvormittag kommen ein Mann aus Nigeria, eine Russlanddeutsche, und eine Frau aus Sierra Leone. Tatjana Fischer berät in Deutsch, Englisch und Russisch und wechselt je nach Bedarf die Sprache. Sie liest die Papiere, erklärt geduldig, was von den Besuchern erwartet wird, schreibt Briefe und schlägt vor, wie die Probleme organisiert gelöst werden können.
John (Name geändert) aus Nigeria braucht Arbeit, soll aber auch Sozialstunden leisten und eine Strafe zahlen, weil er offenbar einmal falsche Dokumente verwendet hatte. Die Beraterin setzt ein Schreiben an die Staatsanwaltschaft auf, bittet um niedrigere Abzahlungsraten und schlägt vor, die Sozialstunden am Wochenende zu leisten. Die Arbeit könne er während der Woche suchen und dann auch erledigen. Er scheint nicht zu verstehen, wie er Strafen zahlen kann, wenn er nur vom Existenzminimum lebt. Sie schärft ihm ein, dass er einen Fehler gemacht hat und jetzt ausdauernd den Willen zeigen muss, seine Aufgaben konsequent abzuarbeiten. Er überlegt noch, ob er einen Job als Gabelstaplerfahrer bekommt. Die Caritas, sagt Tatjana, könne ihm bei den Sozialstunden weiterhelfen. Sicher ist: Er braucht jetzt sehr viel Disziplin.
Für die nächste Besucherin wechselt sie auf Russisch. Olga (Name geändert) ist auf Arbeitsuche und bekommt Arbeitslosengeld. Sie ist Mutter zweier Söhne. Einer ist Ingenieur, einer studiert Medizin. Der Medizinstudent bekommt Bafög. Obwohl sie das dem Jobcenter gemeldet hat, wird sie jetzt zur Rückzahlung von rund 3000 Euro aufgefordert. Wieder und wieder arbeitet sich Tatjana Fischer durch ganze Stapel seitenlanger Bescheide. Sie entschließt sich, den Vorgang aufzuteilen, checkt die Terminlage und schlägt vor, dass hier rechtzeitig ein Widerspruch eingelegt werden sollte, um die Sachlage nochmal zu klären. Olga wird noch öfter zur Beratung kommen müssen.
Auch Blessing (Name geändert) benötigt mehrere Termine. Sie beantragt die Vormundschaft für ihren Neffen, den sie auf der Flucht gerettet hat. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass das Kind bei ihr bleiben darf. Blessing muss gegenüber den Ämtern ihre Fähigkeit als Sorgeberechtigte nachweisen. Tatjana Fischer füllt das Formular aus und klärt die notwenigen Fragen. Ihre Beratung benötigt Zeit, Fachwissen, Strukturkenntnisse und Einfühlung. „In der begrenzten Sprechstundenzeit ist das schwer zu schaffen", sagt sie. Da ist eine Anmeldung unumgänglich.

Die Migrationsberatung hat von Montag bis Freitag geöffnet. Man sollte vor einem Besuch unter der Telefonnummer 0871 96367 - 150 / oder - 151 / oder - 152 einen Termin vereinbaren, E-Mail: .

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