15 Jahre Second-Hand-Laden im Landshuter Netzwerk

„Wir bieten gute Qualität aus zweiter Hand"
Ein Beschäftigungsprojekt für psychisch Kranke hilft mit Kleidung zum kleinen Preis.

 

Menschen mit kleinem Geldbeutel, Familien mit Kindern, Schnäppchenjäger und solche, die lieber Dinge wiederverwerten als alles neu zu kaufen, all diese Gruppen finden seit Jahren im Second-Hand-Laden des Landshuter Netzwerks preisgünstige, getragene Kleidung. Angeboten werden Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Accessoires, Bücher und kleinere Spielsachen.

Den Second-Hand-Laden betreuen Menschen mit psychischen Krankheiten. Sie bedienen die Kunden mit ausgesuchten Kleiderspenden. Sie sind freundlich und engagiert. Die Leiterin, Diplomsozialpädagogin Kornelia Pietzker, freut sich darüber, dass hier Besucher des Tageszentrums eine Beschäftigung bekommen, die ihnen eine Tagesstruktur gibt. Sie fühlen sich, wie sie sagt, „wertgeschätzt" und als selbstbewusste Mitglieder der Gesellschaft, weil sie hier einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können. Sie verkaufen auch eigene Erzeugnisse: Socken, Taschen, Handwerkskunst. So wird allen geholfen, den Kunden, den Mitarbeitern und der Umwelt. Der Laden ist Teil des Tageszentrums für seelische Gesundheit. Das Tageszentrum bietet psychisch erkrankten Erwachsenen aus der Region Landshut noch verschiedene andere Möglichkeiten zur Tagesgestaltung, Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags und Hilfe in Krisensituationen. Jetzt ist der Laden 15 Jahre alt und ein allseits beliebter Treffpunkt. Jonas N. bringt es auf den Punkt: „Der Second-Hand-Laden hat eine große Bandbreite an Angeboten vom Babystrampler bis zum Herrenanzug. Das Durchsehen des Sortiments lohnt sich immer wieder, da laufend neue Ware eintrifft." Man nimmt gut erhaltene und saubere Kinder-, Damen- und Herrenbekleidung und nur Saisonware. Spender vereinbaren für größere Kleiderspenden Termine und werden dann optimal betreut.

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Menschen im Geschäft

Hannelore L. und Roswitha W. arbeiten beide seit vielen Jahren im Team des Ladens. Wenn sie dort ist, zählt Roswitha W. das Geld, schreibt das Kassenbuch, hilft die ausgesuchte Kleidung optisch ansprechend zu präsentieren und tut vieles mehr. Sie dekoriert die Schaufensterpuppe und hat Freude am Verkaufen. Sogar selbst gestrickte Socken, Weihnachtskarten mit selbstgemalten Motiven, Schmuck und andere hübsche Accessoires verkauft sie an die Kunden. Vor allem, sagt sie, gefällt es ihr, dass sie Spaß an der Arbeit hat und auch lustige Momente nicht selten sind. Hannelore L. verkauft seit 15 Jahren ehrenamtlich stundenweise hier Second-Hand-Kleidung und ist wie auch Roswitha W. festes Mitglied des Teams. Ihr macht das Verkaufen und Herrichten der Kleidung Spaß.

Sorgfältig und akkurat werden Blusen, Pullover und Jacken auf Kleiderstangen gehängt und geordnet nach Größen angeboten. In einigen Regalen liegen Kinderkleider wie Strampelhosen und Jäckchen. Jemand hat auch Schuhe gespendet. Ein paar Gürtel, die aussehen wie neu, warten auf Kunden. Im Gespräch über ihre Arbeit lässt sie einfließen, dass die Preise für getragene und manchmal auch fast neue Kleidungsstücke sehr günstig sind. Frau W. ergänzt, sie findet es auch toll, wenn der eine oder andere Kunde beim günstigen Kauf eine Münze in das Spendensparschwein des Teams wirft. Die Arbeitszeit ist für die Mitarbeiterinnen angemessen kurz und als Entlohnung gibt es einen symbolischen Obolus und ein Getränk aus der Küche des Tageszentrums. Kornelia Pietzker hat die Übersicht über das Team und die Ein- und Ausgänge im Geschäft. Sie wünscht sich für die Zukunft noch etwas mehr Möglichkeiten, die Kleider zu lagern. Dazu benötigt sie noch das neue Wandregal. Da viele Spender den Laden mit Kleidung und auch finanziell unterstützen, hofft sie, im Spenderkreis jemanden zu finden, der auch ein passendes Regal zur Verfügung stellt. Wie auch Diplomsozialpädagogin Christine Lohrey, die Abteilungsleiterin des Tageszentrums für seelische Gesundheit, ist sie der Meinung, dass der Betrieb im Geschäft voll ausgelastet ist und gerade wegen seiner Überschaubarkeit die richtige Förderung für die betroffenen Menschen mit psychischen Erkrankungen bietet. „Mehr wäre eigentlich zu viel", sagt Lohrey, die besonders darauf bedacht ist, dass die Menschen, die dort arbeiten, einen für sie förderlichen Schutzraum erhalten.

Der Second-Hand-Laden ist ein spezielles Beschäftigungsprojekt für psychisch kranke Menschen und daraus ergeben sich folgende handlungsbestimmende Leitlinien: „Wir fördern Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, Hilfe zur Selbsthilfe, das soziale Handeln Einzelner in der Gesellschaft, und setzen uns für benachteiligte Personengruppen in der Gesellschaft ein." So soll das Ziel angestrebt und wenn möglich auch erreicht werden, dass Menschen ihr Leben soweit möglich ohne Unterstützung Dritter bewältigen können.

Der Second-Hand-Laden des Landshuter Netzwerks ist von Montag bis Freitag von 9.30 bis 15.30 Uhr geöffnet im 3. Stock des Hauses am Bahnhofplatz 1a. Direkt vor dem Haus gibt es kostenfreie Kurzparkplätze.

 

Kontakt:

Landshuter Netzwerk e.V.
Bahnhofplatz 1a
84032 Landshut
Telefon: 0871 96367 – 113
Fax: 0871 96367 – 118